07.09.2017, 13:30 Uhr

Eröffnung der Queensferry Crossing

Die neue Schrägseilbrücke über die Flussmündung des Firth of Forth bei Edinburgh wurde am 4. September 2017 von Queen Elizabeth II feierlich eröffnet.

Mit Fertigstellung der Queensferry Crossing überspannt nun ein weltweit einzigartiges Ensemble von drei Brücken aus drei verschiedenen Jahrhunderten mit unterschiedlichen Tragsystemen den Firth of Forth: die historische Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1890 mit ihrem markanten roten Fachwerk, die 2015 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, die 1964 fertiggestellte Forth Road Bridge, eine Hängebrücke, die seit 2001 unter Denkmalschutz steht, und die neue Queensferry Crossing, eine Schrägseilbrücke mit drei Pylonen.

Die Gesamtlänge der neuen Brücke inklusive der Vorlandbereiche beträgt 2.640 m. Der seilüberspannte Bereich beinhaltet zwei 650 m breite Öffnungen, um die beiden Schifffahrtskanäle zu überqueren. Der mittlere Pylon wurde dabei auf dem in der Mitte des Firth of Forth gelegenen Beamer Rock gegründet. Durch die Anforderung an zwei Hauptöffnungen war die größte Herausforderung die Stabilität des mittleren Pylons. Um im Vergleich zu den vorhandenen Brücken nicht zu dominant zu wirken, wurde entschieden, den mittleren Pylon mit sich in der Mitte der Hauptfelder überlappenden Schrägseilen zu stabilisieren. So konnte sichergestellt werden, dass sowohl die Pylone als auch der Überbau relativ schlank ausgebildet werden. Der 40 m breite dreizellige Verbundüberbau geht im nicht seilverspannten Bereich in zwei separate einzellige Querschnitte über.

Zur Ausführung wurde das Design-and-Build Verfahren gewählt. Die Auftragsvergabe erfolgte im April 2011 an das Joint Venture Forth Crossing Bridge Constructors, bestehend aus den Baufirmen Hochtief, American Bridge, Dragados und Morrison Construction. Die Planung wurde vom Forth Crossing Design Joint Venture, welches sich aus Leonhardt, Andrä und Partner, Rambøll und Sweco zusammensetzt, erarbeitet.

LAP zeichnet sich hauptverantwortlich für die Planung der Schrägseilbrücke, wobei die Detailplanung der Gründungen und des Überbaus von den Joint Venture Partnern übernommen wurde. Neben der Ausführungsplanung übernahm LAP auch die Überwachung der Montage der Seile und des Überbaus.

Die Fertigstellung der bis zu 40 m tiefen, 30 m im Durchmesser großen Pylongründungen erfolgte im Jahr 2013. Hierfür war ein Weltrekord in Form einer 15-tägigen, ununterbrochenen Unterwasserbetonage von 16.900 m³ notwendig. Die drei über 200 m hohen Pylone wurden mit Hilfe einer Kletterschalung in einer Bauzeit von knapp zwei Jahren hergestellt, mit dem Freivorbau des Überbaus und der Seilmontage wurde im Sommer 2015 begonnen. Der Stahlbau wurde in der Nähe von Shanghai gefertigt und dann in den nahe der Baustelle gelegenen Hafen von Rosyth verschifft. Nach erfolgter Betonage der Verbundfahrbahn wurden die bis zu 750 t schweren, 16,2 m langen und 40 m breiten Überbausegmente mit Hilfe eine Derricks eingehoben. Parallel zum Verschweißen des Stahlquerschnitts und nach erfolgter Betonage der Fuge in der Fahrbahn wurden die Seile montiert, bevor das nächste Segment gehoben werden konnte. Würde man die für den Bau benötigten Drähte der Schrägseile aneinanderlegen, würde dies einer Erdumrundung entsprechen.

Bauherr
Transport Scotland, Glasgow, Schottland

Entwurf
Jacobs Arup Joint Venture, Edinburgh, Schottland

Ausführung
Forth Crossing Bridge Constructors
Hochtief Solutions AG, Essen, Deutschland
American Bridge International, Coraopolis, USA
Dragados S. A., London, England
Morrison Construction, Edinburgh, Schottland

Tragwerksplanung
Forth Crossing Design Joint Venture
Leonhardt, Andrä und Partner, Beratende Ingenieure VBI AG, Stuttgart, Deutschland
Rambøll Group A/S, Kopenhagen, Dänemark
Rambøll UK Limited, Southampton, England
Sweco UK, Leeds, England

Prüfung
URS, Aecom, London, England

Fotos
Transport Scotland