05.07.2018, 15:41 Uhr

Hugo-Häring-Preis 2018 für das Haus des Landtags

Der generalsanierte Landtag gehört zu den sieben Preisträgern des Hugo-Häring-Preises 2018.

Generalsanierung Haus des Landtags

Architekt: Staab Architekten, Berlin
Tragwerksplanung: Leonhardt, Andrä und Partner
Bauherr: Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden- Württemberg, Amt Stuttgart

Nach mehr als 50 Jahren mit etwa 1.500 Plenarsitzungen hatten Anfang 2013 die Planungen für die Sanierung des Parlamentsgebäudes begonnen. Im Frühjahr 2014 starteten die Bauarbeiten. Ziel war es, den Landtag denkmalgerecht an die heutigen Anforderungen insbesondere des Parlamentsbetriebs, des Brandschutzes, der Medien- und Betriebstechnik, der Barrierefreiheit und der Besucherbetreuung anzupassen. Außerdem waren energetische Sanierungen notwendig. Vor allem aber sollte der Plenarsaal Tageslicht bekommen. Das
Gebäude wurde im Termin- und Kostenrahmen saniert und um das neue Bürger- und Medienzentrum erweitert.

Der nach dem Architekten Hugo Häring benannte Preis wird seit 1969 im Abstand von drei Jahren für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg an Bauherren und Architekten für ihr gemeinsames Werk verliehen. Er gilt als der bedeutendste baden-württembergische Architekturpreis. Das zweistufige Auswahlverfahren erstreckt sich über zwei Jahre. Im Juni 2018 hat eine fünfköpfige Fachjury aus 151 Bauten, die in der ersten Stufe eine Auszeichnung erhalten hatten, die sieben Preisträger ausgewählt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Jury des Deutschen Architekturpreises die denkmalgerechte Sanierung mit einer Auszeichnung gewürdigt.

https://www.baden-wuerttemberg.de/

 

Würdigung der Jury

"Denkmale sollen heutzutage sowohl historische Ausstrahlung besitzen als auch alle Anforderungen an ein modernes Gebäude in Bezug auf Technik, Energieeffizienz und Komfort erfüllen. Die heikle Aufgabe, das Haus des Landtags aus den sechziger Jahren für die Zukunft zu ertüchtigen, meistern die Architekten mit großem Respekt vor dem für die Nachkriegsgeschichte des Landes eminent wichtigen Bau, ohne dessen zentrale „Botschaft“ zu verraten. So ist es ihnen gelungen, dem Wunsch der Abgeordneten nach mehr Licht und Luft im Plenarsaal nachzukommen und dennoch den programmatischen Gegensatz von transparenten, großflächig verglasten Fassaden und der introvertierten Mitte bestehen zu lassen. Beispielhaft ist die Lösung, mithilfe der Decke aus satiniertem Glas [aus leichten PETG Polyethylenterephthalat-Glykol-Platten, Anm. LAP] natürliches Licht in den Saal zu bringen und Tag und Nacht, Sonne und Regen auch im Inneren erlebbar zu machen. Zugleich konnte durch die trichterförmigen Öffnungen, die die Lichtdecke illuminieren, der Baukörper in seinem Erscheinungsbild unverändert erhalten bleiben. Von Sensibilität im Umgang mit dem Baudenkmal zeugen auch die seitlichen Öffnungen in der Saalwand, die so geschickt platziert und dimensioniert wurden, dass die räumliche Inszenierung aus quadratischem Grundriss und neuneckiger Plenarkapsel keinen Schaden nimmt. Das Haus hat sich nach der Generalsanierung im Großen wie im Kleinen die Patina des ersten Parlamentsbaus in Europa nach 1945 bewahrt und strahlt gleichwohl die Frische einer heutigen Volksvertretung aus. Ein preiswürdiger Umgang mit einem bedeutenden Baudenkmal der Moderne."

https://www.hugo-häring-preis.de/