11.09.2012, 10:00 Uhr

1. Preis Wettbewerb Nya Skurubron

Am Mittwoch, 5. September 2012, verkündete die Verkehrsbehörde von Stockholm, dass das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner, Stuttgart, in Zusammenarbeit mit Dissing + Weitling, Dänemark und ELU Konsult, Schweden, den internationalen Entwurfswettbewerb für die neue Brücke über den Skurusund gewonnen hat. Die Sieger präsentierten einen schlichten, dabei aber technisch fortschrittlichen Entwurf für die neue Brücke, die die unzu-reichende Verkehrssituation für die täglich mehr als 52.000 Pendler im Großraum Stockholm lösen soll.

Die neue Brücke wird sich die Meerenge mit der bestehenden Skurubrücke teilen, die eine Nachbildung der ursprünglichen Bogenbrücke aus dem Jahre 1914 ist. Zu ihrer Zeit war sie die längste Betonbrücke in Nordeuropa und hat eine große kulturelle, historische und archi-tektonische Bedeutung und weltweiten Kultstatus unter Brückenexperten erlangt. Zudem fügt sich dieses fast monumentale Bauwerk harmonisch in die steilen, felsigen Berghänge des Archipels mit seinen hohen Bäumen und winzigen Häusern. In diesem Kontext entschied sich unser Team für eine sehr schlichte und transparente Brücke ohne Pylone, Kabel oder Aussichtsplattformen. Die neue Brücke besticht durch ihre konstruktive Leichtigkeit mit einer schlanken, aerodynamischen Stahlplatte. Damit die Brücke so transparent wie möglich wirkt, wurden die Pfeilerabstände an die der bestehenden Brücke angepasst. Dies schafft eine Verbindung zwischen den beiden Bauwerken und die neue Brücke wird nicht den Blick auf die alte behindern.

Das Brückensystem besteht aus einer 370 m langen Balkenbrücke über 6 Felder mit Spannweiten von rund 60 m. Der Überbau besteht aus zwei geschlossenen, stromlinienförmig geformten Stahlkästen mit einer 15 cm dicken Betonplatte, die mit der Stahlkonstruktion in Verbund steht. Die Y-förmigen Pfeiler sind im oberen V aus Stahl und im unteren Stiel in Beton ausgeführt. Um die Temperaturbeanspruchung zu verringern, sind Betongelenke am Fuß der kürzen Pfeiler vorgesehen.

Diese Art der Überbaugestaltung hat mehrere Vorteile, z. B.

  • keine zusätzliche Abstützung der Fahrbahnplatte während der Herstellung
  • die Windlasten sind durch die stromlinienförmige Form geringer
  • kein Schalwagen erforderlich für die Herstellung der Fahrbahnplatte
  • erlaubt einen einfachen, segmentweisen Austausch der Fahrbahnplatte
  • Beton bietet einen besseren Fahrkomfort als Stahl, vor allem im Winter

Zusammengefasst kombiniert der Entwurf die Vorteile einer orthotropen Fahrbahnplatte mit einer klassischen Verbundplatte. Er hat alle konstruktiven Vorteile einer orthotropen Fahr-bahnplatte, weist eine geringere Vereisungsgefahr auf und erfordert weniger Konstruktions-stahl:

  • nur eine 10 mm dicke Platte anstelle der von Eurocode geforderten von 12 bis 14 mm
  • Abstand der Versteifungsbleche 600 mm anstelle von 300 mm

Da sich der Verkehr während des letzten halben Jahrhunderts dramatisch erhöht hat, hat sich die Verkehrsbehörde Stockholm für eine zügige Umsetzung des Projekts entschieden, nach Baubeginn 2013 soll die Brücke nach nur drei Jahren Bauzeit fertiggestellt sein.

Aus der Jury-Bewertung

"Eine formsichere und schöne Brücke mit klarem Tragwerk. Das schlanke Brückendeck wird elegant durch die Brückenpfeiler getragen. Mit schönen fließenden Linien und einer reinen Form hat die vorgeschlagene Brücke eine klare, aber unabhängige Beziehung zu der vorhandenen Brücke, und durch seine schlichte Eleganz kontrastiert sie in positiver Weise mit der alten Brücke. Das neue Bauwerk ordnet sich durch seine Schlichtheit unter und die beiden Generationen sind in der Lage, visuell und konzeptionell miteinander zu harmonieren. Die leichte Gestaltung hat eine klare Ausrichtung und elegante Details. Sie ist deutlich an Ort und Stelle und in unserer Zeit verwurzelt."