30.06.2020, 14:29 Uhr

Neckarbrücke Benningen: 145-Tonnen-Mittelteil erfolgreich eingehoben

Zur Entlastung des Ortskerns von Benningen sowie der alten Neckarbrücke und zur Entzerrung des Verkehrsknotenpunkts der L 1138 Freiberg am Neckar – Marbach wird die L 1138 als Ortsumfahrung neu gebaut. Kernstück dieser ca. 1,20 km langen Ortsumfahrung ist die Errichtung einer Neckarbrücke, die in einer geschwungenen Trassierung den Fluss überquert sowie einer daran anschließenden ca. 100 m langen Stützwand. Bei der Planung der neuen Neckarbrücke war unter anderem die neue Generation von 135 m langen Binnenschiffen zu berücksichtigen, die im Bereich der Neckarschleife eine Breite des einzuhaltenden Lichtraumprofils von 60 m Breite und einer Höhe von 6,3 m über HSW erforderlich machen.

Die 12,4 m breite und 195 m lange Stahlverbundbrücke verläuft im Grundriss zunächst in einer Wendeklothoide, ehe sie in einen konstanten Radius R = 125 m übergeht. Damit einhergehend wechselt die Querneigung im Bereich des Bauwerksanfangs von ca. -2,5 % auf +7,0 %. Im Rahmen der Vor- und Entwurfsplanung wurde insbesondere auf eine harmonische Einpassung in die Umgebung Wert gelegt, so dass eine Verbundbrücke mit aufgelösten Vouten (mit einer gewissen Anlehnung an die Elbebrücke Mühlberg) als Vorzugslösung festgelegt wurde. Die semi-integrale Rahmenbrücke mit dem ausgeprägt gevouteten Überbau und den aufgelösten Schrägstielen ist aufgrund der monolithischen Verbindung zu den Gründungen an den Flusspfeilern zudem eine wartungsarme Konstruktion. Außerdem konnte bei Stützweiten von 54,5 – 86,0 – 54,5 m und einer Bauhöhe von nur 1,9 m in Feldmitte eine schlanke Konstruktion (max. Schlankheit L/45) geplant werden.

Neben der komplexen Geometrie waren weitere technische Besonderheiten zu berücksichtigen:

  • Ausbildung von horizontal flexiblen Gründungen der Flusspfeiler zur Reduzierung der Zwangsschnittgrößen à Konische Ausbildung der Großbohrpfähle Ø1,5 m (zweilagige Bewehrung mit Längseisen Ø32) im oberen Bereich mit Stahlrohren zur Erzielung einer freien Beweglichkeit des Pfahlkopfes
  • Biegesteifer Anschluss der Stiele (dichtgeschweißte Hohlkästen) an die sogenannten „Stummelpfeiler“ mit Beton C60/75 SVB, hochbewehrt (ca. 330 kg/m³)
  • Ausbildung des Überbaus als dichtgeschweißter Hohlkasten mit nach außen geneigten Stegen, variabler Grundrisskrümmung und variabler Bauhöhe

Nach Herstellung der Gründungen und Unterbauten wurden die ersten Schüsse des Überbaus auf Hilfsstützen im Vorlandbereich aufgelegt und verschweißt, die flussseitigen, in diesem Zustand frei auskragenden Voutenbereiche wurden zunächst über Hilfskonstruktionen mit den landseitigen Schüssen verbunden, ohne dass ein Eingriff in den Neckar erforderlich wurde.

Für den Brückenschluss des Stahlhohlkasten-Querschnitts wurde am Samstag, 20.06.2020, das fehlende Mittelteil (Schuss 6+7) mit einer Länge von 145 m und Querschnittsabmessungen von ca. 1,5 x 4 Metern vom Vormontageplatz am nördlichen Neckarufer in seine endgültige Lage gebracht, wobei der Neckar in diesem Bereich für die Schifffahrt gesperrt wurde. Für den Einhub wurde ein Schwimmkran mit einer maximalen Hublast von 200 t benötigt, der den 145 t schweren Brückenkörper die letzten Meter auf dem Neckar entlang transportiert und auf die hydraulischen Pressen absetzte.

Unter den kritischen Blicken etwa 200 Schaulustiger, darunter einigen Vertretern von LAP, lief die Aktion zur allgemeinen Erleichterung ohne kritische Vorfälle ab – der fehlende Überbauabschnitt fügte sich passgenau ein und wurde temporär in seiner Lage gesichert, ehe in den kommenden Tagen die Schweißarbeiten in den beiden Stoßbereichen ausgeführt werden. Anschließend beginnt die Montage der Kragarmkonsolschalung für die Fahrbahnplatte, die in 11 Betonabschnitten die bis zu 45 cm starke und 3,8 m auskragende Betonplatte in der Herstellung trägt. Mit der Fertigstellung des Brückenbauwerks wird für Anfang 2021 gerechnet, die Verkehrsfreigabe ist für 2022 geplant.

Auftraggeber:             Regierungspräsidium Stuttgart

Leistung LAP:             Objekt- und Tragwerksplanung